Heraldik & Genealogie

„Die Genealogie kann ohne die Heraldik, die Heraldik aber nicht ohne die Genealogie“, so sprach Dr. Rolf Sutter bei der RootsTech 2015 in Salt Lake City.
Aber: Es geht immer um die Familie!
Und: Die Erfahrung zeigt, dass die Heraldik oft der Einstieg für die Familienforschung bedeutet. Viele unserer Forschungen beginnen mit der Stiftung eines Familienwappens. Durch das Wappen als Symbol für die Familie entsteht meist ein völlig neues Familiengefühl und es wächst der Wunsch, mehr über vergangene Generationen zu erfahren. Damit ist der Grundstein für die Familienforschung gelegt. Die Forschungen beginnen eigentlich immer damit, dass die Familien in den eigenen Reihen beginnen, Daten zu notieren und Namen zu dokumentieren. Dabei ist es sehr entscheidend, dass es noch alte Familienmitglieder gibt, die sich an diese ganzen Daten erinnern. Denn das wissen von noch lebenden Verwandten ist ein enormer Schatz, der versiegt, wenn diese versterben. Viele Anekdoten und Geschichten sind ja nirgends dokumentiert als in der Erinnerung von noch lebenden Verwandten.

Internationale Heraldik

Die Heraldik wird in der Fachwelt regional betrachtet. Nahezu jedes Land hat hier andere Gepflogenheiten oder Gesetze. Während beispielsweise in Deutschland ein Wappen immer für die ganze Familie gestiftet wird, ist es in Großbritanien so, dass jedes Familienmitglied eine eigene leicht abgewandelte Version des Familienwappens führt. Für die Gesetze der Heraldik bedeutet das: was in einem Land gilt, muss nicht auch in einem anderen richtig sein.
Dies lässt sich recht einfach aus der langen Historie erklären. Erst seit dem 19. Jahrhundert ist man schneller unterwegs als zu Pferd. Zu Zeiten der Kreuzzüge konnte man schlechterdings global gültige Regeln aufstellen und sie zeitgleich an alle Beteiligten verbreiten.
Nun, auf so eine Idee kam seinerzeit auch niemand.
Ziel dieser Plattform soll sein, ein Wappen von Heraldikern des Landes, in dem es gestiftet wurde, auf seine Richtigkeit zu prüfen und dann dementsprechend international zu schützen.

Ein korrektes Wappen

Ein korrektes Wappen sieht wie oben schon erwähnt je nach Land, wo es gestiftet wurde, anders aus. Wichtig für den nationalen aber auch internationalen Schutz ist jedoch, dass das zu schützende Wappen den heraldischen Regeln des jeweiligen Landes entspricht.
Die heraldischen Regeln sind ein Kodex, der sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.
Und um dies zu bestätigen und ein bestehendes Wappen auf Richtigkeit zu überprüfen, braucht es einen erfahrenen Heraldiker. Wir stellen leider auch heute noch sehr oft fest, dass Kunden mit einem Wappen zu uns kommen, um es zu registrieren, und wir feststellen, dass dieses Wappen so nicht registrierungsfähig ist, weil es heraldisch nicht korrekt ist. Die Enttäuschung darüber ist natürlich verständlich. Aber auf anderen Seite hat man jetzt die Möglichkeit, das Wappen entsprechend ändern und dann auch eintragen zu lassen. Oft sind lediglich nur kleine Änderungen notwendig, um aus einem nach heraldischen Regeln fehlerhaften Wappen ein heraldisch korrektes zu machen.

Geschichte der Heraldik

Neueren Forschungen zufolge entstand die Wappenführung in der Zeit der ersten Kreuzzüge. Das Wappen diente dort als eine Identitätsangabe. Das ist vergleichbar mit unserem heutigen Personalausweis.

Wann die ersten Wappen entstanden sind, kann nicht mit 100%iger Sicherheit gesagt werden. Es herrscht aber weitgehende Übereinstimmung, dass die ersten echten Wappen in der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kreuzzug aufkamen.
Ebenfalls nicht beweisbar, aber ziemlich logisch ist die Annahme, dass Wappen eine Erfindung der Rüstungsindustrie sind: Kam man(n) doch auf die Idee, seinen Kopf bei kriegerischen Auseinandersetzungen durch einen Helm zu schützen. Und fand in der Folge heraus, dass er nicht mehr weiß, ob er jetzt Freund oder Feind erschlägt. Er konnte schließlich das Gesicht des Gegners nicht mehr sehen. Also nahm der Krieger die größte ihm zur Verfügung stehende Fläche - das Schild - und markierte sie.
Dies müsste – wenn, dann - einige hundert Jahre vor den Kreuzzügen stattgefunden haben.
Belegt ist, dass Zeichen auf Schilden, an Speeren und Pferden im ersten Kreuzzug genutzt wurden. Auch wenn diese Zeichen noch nicht als Wappen gewertet werden.

Wie direkt die Rolle der Kreuzzüge bei der Entstehung von Wappen zu interpretieren ist, ist unklar. Prof. Dr. Paul A. Fox untersuchte dies in seiner Arbeit „Kinship Networks: Towards a new Understanding of the Origins of Heraldry“: „Early heraldry was found to occur exclusively in a small interconnected group of families who were integrally involved with the Crusading movement.“ Frühe Heraldik trat ausschließlich in einer kleinen miteinander verbundenen Gruppe von Familien auf, die wesentlich in die Kreuzfahrerbewegung eingebunden waren. Dreh- und Angelpunkt scheint dabei die Familie Anjou zu spielen.

Wappen im Wandel der Zeit

Im Laufe der Zeit hat sich die Darstellung von Wappen immer wieder geändert. Der Stil hat sich dem Zeitgeschmack angepasst. Man findet ein und dasselbe Wappen in der Frühgotik vollkommen anders dargestellt als in der Renaissance oder im Klassizismus.